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3. EMNI Konferenz in Paris - Rückblick

Am 26. und 27. Mai 2010 fand in Paris die 3. Europäische Konferenz für Mediation statt. Nach dem Start mit der ersten Konferenz in Wien 2007 und der Fortsetzung in Belfast 2008 kamen auch diesmal wieder über 400 MediatorInnen aus ganz Europa zusammen. Einzelne Gäste waren auch aus anderen Kontinenten angereist. Sie kamen unter anderem aus Hongkong, Brasilien, Marokko, Algerien und Taiwan.

Der Titel der Konferenz
„Mediation et société civile en Europe, vers un nouvel état d´esprit“
„Mediation and Civil Society in Europe, Towards a New Mindset“
hat den Blick in die gesellschaftliche Zukunft gerichtet und dabei die Frage nach der Rolle und Aufgabe der Mediation in dieser Entwicklung gestellt.

Das Team der französischen MediatorInnen hatte alles wunderbar vorbereitet. Die „European Mediation Network Intiative“ – „EMNI“ hat sie mit allen zur Verfügung stehenden Ressourcen unterstützt.

Zur Eröffnung begrüßten der Bürgermeister von Bourg-la-Reine, Jean-Noel Chevreau, die Präsidentin von EMNI, Linda Reijerkerk, die Präsidentin der Assciation National des Médiateurs, Gabrielle Planés und der Direktor des Instituts Iréné, Aurélian Colson.

Den Eröffnungsvortrag hielt Mrs. Diana Willis, Vizepräsidentin des europäischen Parlaments. Anknüpfend an das 60-Jahr Jubiläum der Menschenrechtsdeklaration bekannte sie sich zur Idee, dass Mediation auf dem Weg zur Vision der weltweiten Umsetzung der Menschenrechte eine wertvolle Hilfe sein kann. Ebenso stellte sie die wichtigen beiden Grundhaltungen und –impulse der Mediation „Partizipation“ und „Transparenz“ als Stützen für die gesellschaftliche Entwicklung dar. Das ist besonders wichtig in einer Zeit, in der es immer weniger möglich ist, bei Finanz- oder Umweltkatastrophen nach Schuldigen zu suchen und es primär wesentlich ist, Lösungswege in eine gemeinsame bessere Zukunft zu suchen und zu finden.
Mit dem Blick auf ihre Heimat England sprach sie von einem Erdbeben in der Gesellschaft, wo es erstmals keine absolute Regierungsmehrheit einer Partei im Parlament gebe und daher quasi ein Paradigmenwechsel hin zu politischer Kooperation stattfinden müsse.
Auf diesem Weg ist auch Harmonisieren nicht möglich, sondern es ist wichtig, wie in der Mediation Unterschiede ernst zu nehmen. So kann es gelingen, das Leben mit allen Unterschieden, aber ohne Konfrontation zu ordnen. Auf diesem Weg hat Mediation eine wichtige Rolle.
Das Europäische Parlament hat diese Rolle erkannt und ist an der Förderung und Weiterentwicklung der Mediation sehr interessiert, nachdem ein erster Schritt dazu mit der EU-Richtlinie gesetzt wurde.

Der zweite große Baustein der Konferenz war die Podiumsdiskussion des ersten Vormittags. In dieser Runde sprachen unter Moderation von Ursula Caser, Mediatorin im öffentlichen Mediationssystem des Justizministeriums in Portugal, Ombudsmänner aus vier europäischen Ländern und zwar Alex Brenninkmeijer, Holland, Manuele Bellonzi, Toskana-Italien, Marc Fischbach, Luxembourg, vertreten durch eine Mitarbeiterin seines Büros, und Christian Le Roux, Frankreich.
Das Thema war: „Die Rolle der Ombudsmänner als Faktoren der Stärkung der Demokratie“


Alle vier berichteten von der Wichtigkeit ihrer Rollen:
a) als Vermittler zwischen Bürger und Verwaltung
b) als Kontaktstelle zwischen Bürger und Politik
c) als Unterstützung des Bürgers im Zugewinn von Autonomie
d) als Promotor der Demokratie.


Das Ziel eines Ombudsmannes ist der Wandel der gesellschaftlichen Strukturen von Autorität zu Partizipation. Er kann das Vertrauen zwischen Bürger und Verwaltung wiederherstellen. In Frankreich bearbeitet er mit seinem Büro ca. 1600 Fälle im Jahr. In den Niederlanden genügt für 60% bis 70% der Fälle ein Telephonat. In seiner Tätigkeit hat der Ombudsmann die Rolle eines Mediators. Er ist Begleiter zu einer Entscheidung auf einem fairen Weg.
Die Ombudsmänner hatten auch eine Botschaft für die Politik.
Ihr Wunsch an die Politiker war:
Politiker sollen
• Kooperation entdecken
• mediative Haltungen gewinnen
• Mediation nutzen und MediatorInnen einsetzen.

Die weiteren Halbtage waren gefüllt mit unterschiedlichsten hochinteressanten Workshops. Von zwei Workshops finden Sie noch einen kurzen Bericht von ÖBM-Kolleginnen, die auch nach Paris gekommen waren.

European Mediation Network Initiative – EMNI
Nach den Nachmittagsworkshops fand auch die Generalversammlung von EMNI, dem Träger der Europäischen Konferenzen, statt. Schon am Vortag hatten sich Kollege Platzer und ich mit einer Gruppe von „Boardmembers“ zu einer Arbeitssitzung getroffen, in der es um die Zukunft von EMNI und die Vorbereitung der Generalversammlung ging. Als wichtigste Ziele wurden dabei erkannt:
• die Kooperation in der Interessensvertretung gegenüber den europäischen Institutionen und Einrichtungen
• ein europaweiter Werte- und Qualitätskonsens
• die Verbesserung der Homepage und des Kontaktes untereinander
• die Einrichtung von lokalen KoordinatorInnen, die den Kontakt zwischen MediatorInnen vor Ort und EMNI ermöglichen sollen
• die Vorbereitung der Konferenz 2012 für deren Organisation sich der Vertreter der Slowakei bereit erklärt hat.
Die Reform der Statuten wurde auf die Generalversammlung 2012 vertagt, damit auf der Basis der bisherigen Erfahrungen alle Beteiligten eine größere Zeit der Vorbereitung und Diskussion haben.

Bei der Wahl des neuen „Boards“ wurden gesamt 18 VertreterInnen von 18 europäischen Ländern gewählt. Neu vertreten sind Portugal, Spanien, Italien, Tschechien und Belgien. Als neuer Vertreter für Österreich wurde Erich Platzer, ÖBM-Kassier, gewählt. So gewinnen wir für alle österreichischen MediatorInnen eine bessere Kontaktebene zu allen europäischen Nachbarn und einen direkten Kontakt
in die europäische Vernetzung.

Abgeschlossen wurde der erste Abend mit einem gemeinsamen gesetzten Essen, in dessen Rahmen besonders auch der informelle Kontakt intensiv gepflegt werden konnte.

Rückblickend kann ich sagen, dass alle MediatorInnen, die gekommen sind viele Impulse für ihre Tätigkeit mitnehmen konnten und auch wir als ÖBM-Vertreter zahlreiche Ideen, Impulse und Kontakte für die weitere Arbeit gewonnen haben.

Fotos finden Sie hier http://flic.kr/s/aHsjusNB3r

Mag. Marianus Mautner
ÖBM Bundessprecher