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Rückblick Fachtag "Wirtschaftsmediation"


 

Im bis zum letzten Platz gefüllten Marmorsaal des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend fand am 21.Oktober 2010 die Fachtagung zum Thema  „ Wie kann Mediation Prozesse im Wirtschaftsleben sinnvoll unterstützen und nachhaltig verbessern“  unter dem Ehrenschutz von BM  Dr. Reinhold Mitterlehner statt.
SCh Mag. Herbert Preglau eröffnet in Vertretung des Ministers die Tagung. Bundessprecher Mag. Marianus Mautner bedankte sich  herzlich für die erwiesene Gastfreundschaft  und leitete zu den hochkarätigen und impulsgebenden Fachvorträgen über.

Dr. Wilfried Kerntke, Geschäftsführer der inmedio, Institut für Mediation, Beratung und Entwicklung, griff im ersten Impulsreferat zwei neue Strategien in der Mediationspraxis auf.
Er schilderte seine Erfahrungen in Mediationen in Organisationen und Wirtschaftsunternehmen.  Die Praxis zeigt, dass Feedback-Runden in jenen, nicht seltenen Fällen, in denen in der Mediation strukturelle Probleme sichtbar werden, wesentlich zur positiven Unternehmensentwicklung beitragen können. Auch die  Einbeziehung von Stakeholdern als Mitbetroffenen erweist sich als hilfreich bei der Erreichung der in der Mediation angestrebten Ziele. Ein wichtiges Anliegen ist ihm und seinem Mediationsteam dabei jedoch stets mit mediatorischer Vorsicht vorzugehen, die Medianden zu schützen und sich das Einverständnis derjenigen, die als das Konfliktpotential bilden gesehen werden, zu holen.
Beide Methoden sieht er nicht als Teil der Mediation selbst, sondern als wesentliche mögliche Ergänzung, die von den MediatorInnen kommen und vorgeschlagen werden.

 Ein aktuelles, äußerst erfolgreiches Wirtschaftsmediationsbeispiel brachte Mediator und Unternehmensberater Karl F. Brandt, Brandt & Partner GmbH. Anschaulich legte er den Ablauf eines französisch/österreichischen Mediationsfalls dar und schilderte welche Auswirkungen kulturell unterschiedlichen Mentalitäten, verschiedene Sprachen und Rechtsysteme auf Ablauf und Ergebnis der Mediation haben. Das besondere an diesem Fall war vor allem auch die Gelassenheit des Mediators zu einem Zeitpunkt, in dem die Mediation festgefahren schien, eine „kreative Pause“ zuzulassen und  danach den Parteien eine Zusammenfassung der bereits eigenständig gefundenen Teillösungen als „Lösungsvorschlag"  zu präsentieren.

In ihrem Vortrag beleuchtete Ass.-Prof. Mag. Dr. Ulrike Frauenberger-Pfeiler rechtliche Aspekte sowie jüngste europäische Entwicklungen zur Mediation, wobei sie vor allem darauf hinwies, dass es derzeit noch sehr unterschiedliche rechtliche Grundlagen für in der Liste beim BMJ eingetragenen MediatorInnen und den nicht eingetragenen gibt. Für Nicht-Juristen eine vielleicht etwas verwirrende Systematik, stellt dies jedoch eine wesentliche Anforderung für MediatorInnen im Hinblick auf Aufklärung der Medianden und daraus resultierende Haftungsfragen dar.
Bei all der rechtlichen Problematik, die sich aus Sicht der Verfahrensrechtlerin ergeben, tritt Ass.-Prof. Mag. Dr. Frauenberger-Pfeiler jedoch vehement  für einen noch stärkeren Einsatz von Mediation in allen Konfliktfeldern ein.

In einer Pause bei stärkenden Kaffee und kleinen Imbissen war Gelegenheit für erste Kontaktgespräche.

In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von „ORF-Bürgeranwalt“ Dr. Peter Resetarits wurden folgende Punkte deutlich zum Vorteil der Wirtschaftsmediation sichtbar:


• Kostenersparnis und Erhaltung der Geschäftsbeziehung  (Rene`Haidlmair, Haidlmair GmbH, Mediationspartner in dem von Karl F. Brandt geschilderten Mediationsfall)
• Entlastung der Gerichte  (Ass.-Prof. Mag. Dr. Ulrike Frauenberger-Pfeiler)
• Konfliktprävention (Mag. Karl-Heinz Wanker, MSc MBA, Hauptverantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit der Stabsabteilung EU-Koordination der WK  Österreich)
• Qualitätssteigerung internationaler Arbeitsprozesse ( Dr. Wilfried Kerntke auf Grund seiner Erfahrungen als Mediator und Berater in internationalen Organisations- und Unternehmensentwicklungen in Europa, Asien und Mittelamerika)
• Verbesserte Arbeitsstrukturen (Ziel des ÖBM:  Mediation als festen Bestandteil der Konfliktkultur in der Gesellschaft und im Wirtschaftsleben zu integrieren und zur Professionalisierung der Mediation beizutragen. Mag. Marianus Mautner, Bundessprecher ÖBM)

Zur Umsetzung dieser Ziele, darüber waren sich die Teilnehmer einig, bedarf es noch mehr an öffentlicher Unterstützung durch maßgebliche Stellen und Schaffung der notwendigen gesetzlichen Determinanten. Der Apell richtete sich daher an den Gesetzgeber dies im Sinne der Mediation zu unterstützen.

 Nach einem Überblick über die Geschichte des ÖBM in der letzten 15 Jahre durch den Bundessprecher und den persönlichen Erfahrungen eines der Gründer des ÖBM
Dr. Wolfgang Vovsik, kurzen Berichten der aktuellen Tätigkeiten in Bund- und Ländern leitete das Playback Theater unter der Leitung von Ed Watzke zum amüsanten Teil und zur Geburtstagsfeier bei „Speis und Trank“ und Geburtstagstorte über. Dank der großzügigen Gastfreundschaft unterhielt sich die Anwesenden bestehend aus Referenten, Interessenten aus der Wirtschaft und Gästen aus den Ministerien und befreundeten Mediationsverbänden weit über die vorgesehene Zeit hinaus.

Fotos zum Fachtag, finden Sie hier http://flic.kr/s/aHsjusMSXP